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Blaise Pascal - Biographie


1653

Im Mai kehrt Pascal nach Paris zurück. Angelique Arnauld

Er und seine Schwester Gilberte widersetzen sich dem Vorhaben Jacquelines, ihr Vermögen dem Kloster Port-Royal zu schenken. Als die Äbtissin Mére Angelique schon einlenkt und sie ohne Mitgift aufzunehmen will, erklärt sich Blaise seinerseits zu einem großzügigen finanziellen Kompromiss bereit.

Am 5. Juni nimmt Jacqueline den Schleier.


Am 31. Mai verdammt Papst Innozenz X. auf Drängen der von den Jesuiten bestimmten theologischen Fakultät der Sorbonne fünf Sätze aus dem Buche des Jansenius. Das ist der Beginn eines scharfen Konfliktes um das Überleben des Klosters Port-Royal, in den auch Pascal eingreifen und ihn zeitweise dominieren und schließlich verlieren & gewinnen wird.


Die fünf häretischen Punkte (die sich angeblich in den Schriften des Jansenius fänden) wurden von dem Theologen der jesuitisch dominierten Sorbonne Isaac Habert auf Anregung der Unterstellungen des Syndikus der Sorbonne, Nicolas Cornet, zusammmengefasst:"

1. Einige Gebote Gottes sind für die Jacqueline Pascalgerechten und gutwilligen Menschen mit den Kräften, die sie jetzt haben, unerfüllbar, es fehlt ihnen auch die gnade zu ihrer Erfüllung.

2. Der inneren Gnade kann der Mensch im gefallenen Zustand nicht widerstehen.

3. Verdienst und Schuld setzten nicht Freiheit von der inneren Nötigkeit voraus, es reicht die Freiheit von physischen Zwang.

4. Die Semipelagianer (gemeint sind die Jesuiten, deren Lehre in großen Teilen mit dem antiken, von Augustinus verworfenen Häretiker Pelagius identifiziert wird) ließen die Notwendigkeit vorhergehender innerer Gnade für die einzelnen Handlungen zu, auch für den Beginn des Glaubens: Aber darin waren sie häretisch, dass sie meinen, jene Gnade sei so beschaffen, dass der menschliche Wille ihr widerstehen oder gehorchen könne.

5. Es ist ein semipelagianischer Irrtum, zu behaupten, Christus sei schlechthin für alle menschen gestorben und habe für alle sein Blut vergossen."

Über diesen bizarren Streit, der so ernste Folgen zeitigen wird, später mehr.


Pascal setzt seine wissenschaftliche Arbeit fort. Er schreibt die Abhandlungen 'De l´équilibre des liqueurs & De la pesanteur de la masse d´air'Cornelius Jansen (Über das Gleichgewicht der Flüssigkeiten und Über das Gewicht der Luft).


Im September gemeinsame Reise mit seinen Freunden Herzog von Roannez, des Chevaliers de Méré und des Damien Mitton ins Poitou. Diese Freunde bilden die Welt der sog. 'honnete homme', der 'libertins' die mehr oder weniger offen den Unglauben das Wort reden. Sie werden später in einigen Pensées als Stichwortgeber auftauchen.

Im Dezember 1653, nach der Reise, schreibt Pascal 'Conversation du Pécheur', einen Text, der die verschiedenen Phasen einer Bekehrung zu fassen versucht. Dieser Text bereitet gleichsam Pascals eigene Vision vor.


1654

Jahr der Krise, Jahr der Gnade!

Pascal schreibt die 'Adresse à l´Académie pariesienne de mathématique', in der Pascal seine Theorie der Wahrscheinlichkeitsrechnung (géometrie du hasard) ankündigt. Pascal, Blaise gilt als Erfinder des heutigen Roulettes. Er baute einen Holzkessel mit 36 Zahlen, um bestimmte Gesetze der Wahrscheinlichkeit zu beweisen.


Im Sommer 1554 scheint Pascal in immer tiefere Melancholie zu versinken. Er äußert "tiefe Weltverachtung" und einen "nahezu unerträglichen Ekel vor allen Menschen, Handschrift Memorialdie in ihr leben".

Zu dieser Zeit verliert er beinahe sein Leben bei einem Unfall. Das Pferd, welches seine Kutsche zog, schlägt aus, so daß er mit der Kutsche an einer Brücke über der Seine hängt. Obwohl er ohne Kratzer gerettet wird, greift es ihn psychisch stark an.

Nicht lange danach kommt zu einer Wiederannäherung an seine fromme Schwester Jacqueline, der er seine Verwirrung bekennt.


In der Nacht des 23. November hat Pascal ein Offenbarungserlebnis, das er in dem sog. 'Mémorial' bezeugt. Er näht dieses Schriftstück selbst in das Futter seines Rockes ein - zufällig wird dieses Schriftstück nach seinem Tod von einem Diener entdeckt. Von diesem Pergament, auf das Pascal den Text übertrug, um es stets bei sich zu tragen, besitzen wir lediglich eine, allerdings völlig glaubwürdige Kopie von der Hand seines Neffen, des Abbé Périer. Der Text enthält noch drei zusätzliche Zeilen, die vermutlich am nächsten Tage oder nur wenig später hinzugefügt worden sind. Sie besagen, daß Pascal aus dem November-Erlebnis Schlüsse ziehen werde, die sein religiöses Dasein berühren: Maistre de Sacy"Vollkommene Unterwerfung unter Jesus Christus und meinen geistlichen Führer".


Nach seiner 'zweiten Konversion' unterwirft sich Pascal extremen Kasteiungen. Er enthält sich angenehmer Speisen, unterdrückt die Gefühle natürlichster Zuneigung und verteilt über seine Mittel hinaus Almosen (obwohl er bei verschiedenen Gelegenheiten eine unverkennbare Gewinnsucht an den Tag gelegt hatte und für den Erhalt seines ererbten Vermögens sorgte).


1655

Pascal zieht sich zum ersten Mal nach Port-Royal des Champs zurück, er erhält aber die Kontakte mit der Welt, insbesondere mit seinem Freund Herzog von Roannez, den er zum Christentum bekehrt.


Er lernt in Port-Royal Isaac Le Maistre de Sacy kennen, einen Vetter der Arnaulds und Priester seit 1649, mit dem er über das Verhältnis von Religion und Philosophie diskutiert. Ergebnis ist das später aus Notizen zusammengefügte und erst 1728 editierte 'Gespräch mit de Sacy über Epiktet und Montaigne'.