Wilhelm Schmidt-Biggemann: Blaise Pascal

 

Wilhelm Schmidt-Biggemanns Darstellung von Leben, Werk und Denken Blaise Pascals (1623–1662) ist ganz dem Sachlichen, der Trennung zwischen historischen Fakten und psychologischer Spekulation verpflichtet. Präzise und kenntnisreich rekonstruiert der Berliner Philosophiehistoriker die Auseinandersetzung um die "Lettres Provinciales" und um den Jansenismus, in allen Aufrissen dokumentiert er die Texte, in denen Pascals Ringen zwischen Glaube und Skepsis sich niederschlägt (die rein mathematischen Teile des II. Kapitels hingegen sind von Herbert Breger). Doch es ist eindeutig das IV. Kapitel – überschrieben mit "Apologetik" –, welches das Herzstück der anzuzeigenden Einführung ausmacht.

Das Krisenjahr 1654, in dem Pascal von der "Weltverachtung" befallen wird und schliesslich, am 23. November, nach einer feuerhellen Vision wieder zum Glauben findet, ist ebenso ausführlich dargestellt wie die zentralen Texte der folgenden Jahre. Unter den ungeordneten Papieren der "Pensées" hat sich überdies ein Schriftstück erhalten, das heute füglich zu den berühmtesten religionsphilosophischen Stücken Pascals zählt: die "Wette". Schmidt-Biggemann beurteilt dieses papierene Stück Spekulation – der Mathematiker Pascal versucht darin, dem Glaubenszweifel mit den Kriterien der Wahrscheinlichkeitsrechnung beizukommen – als einen Text, der "frivol" ist; ein Frommer darf seine Rechnung nicht mit Gott machen. Und doch: Es hat sich gerade diese frivolité als theologisch fruchtbares Gedankenspiel erwiesen.